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 Lydia Schmidinger
Michael Thomasberger   

Logo Pfarre_EidenbergPredigtgedanken von Abt Reinhold Dessl zum 4. Fastensonntag, 22. März 2020
Eine neue Sichtweise der Dinge
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!  „Blind ist, wer seine Augen verschließt“, mit diesem Spruch wurde einmal für eine Hilfsorganisation geworben, die sich um blinde Menschen in aller Welt annimmt.

Wir können uns wohl gar nicht vorstellen, was es wirklich bedeutet, körperlich blind zu sein, etwa von Geburt an nicht sehen zu können, all das, was uns selbstverständlich ist, nur vom Hörensagen zu kennen.

„Blind ist, wer seine Augen verschließt.“ Dieser Spruch bringt aber auch gut zum Ausdruck, dass es nicht nur die körperliche Blindheit gibt, sondern verschiedene andere Arten von Blindheit.

Die Coronakrise hat alles in unserem Leben verändert. Wir müssen erst mit den Einschränkungen und den neuen Herausforderungen zurechtkommen. Manches sehen wir aber vielleicht in einem neuen Licht. Zum Beispiel den Wert des Lebens in einer Zeit, wo uns die Verwundbarkeit des Lebens vor Augen geführt wird. Oder den Wert der Gemeinschaft in einer Zeit, wo wir physische Kontakte meiden müssen und Gottesdienstfeiern in Kirchen nicht möglich sind. Oder den Wert der Zuwendung und des Gesprächs in Zeiten, wo wir auf Telefon und Social Media ausweichen müssen. 
 
Heilung eines Blinden
Um eine neue Sichtweise des Lebens und Glaubens geht es heute auch im Evangelium vom 4. Fastensonntag. Wir hören und lesen von der Heilung des Blindgeborenen. 

„In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?“ Es ist ein uralter Reflex, dass bei Krankheiten, Schicksalsschlägen und Katastrophen immer nach dem Schuldigen gesucht wird. Im religiösen Sinn werden solche Erfahrungen oft leichtfertig als Strafe Gottes gedeutet.

Jesus widerspricht dieser Sichtweise vehement. „Er antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.“ Krankheit ist für ihn keine Strafe Gottes, sondern ein Anlass, dass die Werke Gottes offenbar werden können. Das heißt, er will zusammen mit den Menschen an der Überwindung der Krankheit und an ihrer Heilung arbeiten.

Wir werden in diesem Evangelium nicht nur mit dem persönlichen Schicksal eines Blindgeborenen konfrontiert, der durch Jesus wieder sehend wird, sondern wir erfahren auch einiges über das Umfeld dieses Mannes. Es werden die Nachbarn erwähnt, die sich nicht mehr sicher sind, ob der Geheilte wirklich der ist, den sie von früher kannten. Es treten die Pharisäer auf, die zwar das Wunder anerkennen, aber in dem Ganzen nur einen Gesetzesbruch sehen. Sie sagen: „Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält.“ Ein und dasselbe Ereignis wird also von ganz verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Unter dem Strich kommt heraus, dass eigentlich die Umgebung des Blindgeborenen im Grunde blind ist, weil sie ihre Augen vor dem verschließt, was da geschehen ist. Der Blinde selber aber ist der wirklich Sehende. Denn es gehen ihm nicht nur die leiblichen Augen auf, sondern schrittweise öffnen sich ihm die Augen des Glaubens für Jesus als den Christus Gottes; am Schluss spricht er das Glaubensbekenntnis aus: „Ich glaube, Herr!“ Jesus macht den Blinden sehend und überführt die Sehenden ihrer Blindheit. 
 
Gottes Schöpferkraft wirkt immer noch 
Es ist interessant zu sehen, wie Jesus die Heilung des Blinden bewirkt. Eigenartig und altertümlich mutet es an, wie Jesus am Beginn auf die Erde spuckt, einen Teig macht, ihn dem Blinden auf die Augen streicht und ihn auffordert, sich im Teich zu waschen. Man kann diese Stelle nur schwer deuten und es gibt unterschiedliche Versuche dazu. Speichel hat zwar immer heilkräftige Bedeutung gehabt, aber in Verbindung mit Erde hat dieser Vorgang aus jüdischer Sicht den Kranken erst so richtig unrein gemacht. Die aufgetragene Waschung im Teich Schiloach könnte bedeuten, dass Jesus die Unreinheit von dem Kranken wegnimmt und ihn wieder so richtig „gemeinschaftsfähig“ und „gottesdienstfähig“ macht.

Eine andere Deutung geht davon aus, dass die verwendete Erde an Schöpferkraft Gottes erinnert, der den ersten Menschen aus Erde geformt hat. Auf alle Fälle wird uns gesagt, dass in diesem Jesus die Schöpferkraft Gottes wirkt, der nicht gekommen ist, um irgendjemanden zu richten und zu verurteilen, sondern um die durch die Krankheiten verwundete Schöpfung zu heilen.

Gott hat sich auch heute nicht von dieser Welt zurückgezogen. Er wirkt durch die Mediziner und Hilfskräfte, die Menschen in ihren Nöten und Krankheiten beistehen. Er wirkt durch Forscher, die an der Überwindung von Krankheiten forschen. Er wirkt durch Menschen, die anderen Mut und Trost zusprechen. 
 
Sehend werden 

Nicht zufällig wird dieses Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen in der Fastenzeit gelesen. Die Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf Ostern ist eine Zeit, wo unser inneres Sehvermögen wieder neu gestärkt werden soll. Die Begegnung mit Jesus Christus soll uns, die wir mit den leiblichen Augen sehen, helfen, dass wir wieder neu sehen lernen mit den Augen des Herzens und mit den Augen des Glaubens. Jesus bietet sich uns als Arzt und Heiland an, der uns hilft, uns von unseren „blinden Flecken“ zu befreien und diesen neuen Blick für die Wirklichkeit und auch für die Herausforderungen des Lebens zu bekommen. Er hilft zu einer neuen Sichtweise des Lebens, der Gemeinschaft und der heilenden Kraft der Zuwendung – in kreativer Form in kritischen Zeiten.

Die Ausgangsbegrenzungen gelten auch noch für die Karwoche, darum wird es keine Versammlungen in den Kirchen geben. Es wird Hilfen geben, wie wir zuhause diese Tage auch religiös gestalten können. Wir werden auch diese Herausforderung annehmen, sodass uns vielleicht sogar manches dabei neu aufgehen wird und wir manches neu sehen werden, was wir bis jetzt noch nicht beachtet haben. Ich lade Sie ein, jetzt schon anzufangen und kleine Hausandachten gemeinsam zu gestalten. Natürlich ist auch gut, sich Fernseh- und Internetgottesdienste anzuschauen, mitzufeiern und mitzubeten.

In einem Landstrich in Frankreich gibt es den Brauch, dass die Gläubigen nach der Osternachtsfeier zum Dorfbrunnen eilen, um sich die Augen zu waschen. Sie sollen dadurch gleichsam „Osteraugen“ bekommen, damit sie die Dinge des Lebens im rechten Licht sehen können. In dieser Form werden sie das heuer nicht machen können und doch wünsche ich uns jetzt schon ein bisschen etwas von diesen „Osteraugen“. Der vierte Sonntag der Fastenzeit heißt nach alter Tradition auch Sonntag „Laetare“, weil an diesem Sonntag etwas von der Vorfreude auf Ostern durchbrechen soll. 

ch wünsche uns allen viel Kraft in dieser Zeit, besonders auch den Eltern mit Kindern und allen, die im Einsatz sind, um das Lebensnotwendige möglich zu machen! Gottes Segen für uns alle! Amen. 

Zetteln mit obiger Predigt liegen in der Kirchenlaube zum Mitnehmen auf.
 
Fürbitten:
 


Beten wir zu Jesus, unserem Heiland und Erlöser. Er will unsere Augen öffnen für das Schöne in Gottes Schöpfung, für das Gute, das Menschen mit Gottes Hilfe zustande bringen. Er will uns auch hellsichtig machen für die Not der Menschen allüberall. 

  • Wir bitten, dass wir Augen haben und dankbar sind für die Menschenfreundlichkeit Gottes, der uns auch in schweren Zeiten nicht verlässt.

    Jesus, Licht der Welt - Wir bitten dich, erhöre uns.

  • Wir bitten, dass wir Augen haben und dankbar sind für das Geschenk des Lebens, das so verletzbar ist.
  • Wir bitten, dass wir Augen haben und dankbar sind für kreative Formen der menschlichen Begegnung.
  • Wir bitten, dass wir Augen haben und dankbar sind für die kleinen unscheinbaren Dinge in unserem Alltag und die Nachbarschaftshilfe.
  • Wir bitten, dass wir Augen haben und dankbar sind für die Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden.
  • Wir bitten, dass wir Augen haben und dankbar sind für den Einsatz von Menschen im Gesundheitswesen, im Rettungsdienst und im Sicherheitsbereich.
  • Wir bitten, dass wir die Augen nicht verschließen für die menschlichen Nöte dort, wo wir sie entdecken, und dass wir zum Helfen bereit sind. 


Jesus, du bist das Licht, das in diese Welt gekommen ist. In deinem Licht schauen wir das Licht. Dir sei Dank und Lobpreis jetzt und für alle Zeiten und in Ewigkeit. - Amen.